Buchempfehlung: Hebammenwissen für Zuhause

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„Guter Hoffnung“ von Kareen Dannhauer: Ganzheitliches Hebammenwissen für Mama & Baby

Der Ratgeber „Guter Hoffnung“ von der Hebamme Kareen Dannhauer ist ein echter Wissens-Allrounder. „Ein Buch statt Internet“, so bezeichnet die in Berlin tätige Autorin selbst ihr Werk, 

und genau das ist es geworden: ein so umfassendes wie unterhaltsames Manual für alle Mütter, die ihre Schwangerschaft und die Geburt aus der natürlichen Perspektive betrachten wollen.

Der Begleiter vom Schwangerschaftstest bis zum Wochenbett

Grob gesagt: „Guter Hoffnung“ widmet sich allen Themen, die für werdende und frischgebackene Mamas von Belang sein könnten. Dazu gehören:

  • die drei unterschiedlichen Trimester der Schwangerschaft
  • die richtige Ernährung in dieser Zeit
  • die Geburtsvorbereitung
  • die Geburt
  • das frühe und späte Wochenbett

Diese Bereiche sind natürlich Klassiker und in jedem Schwangerschafts-Ratgeber vertreten. Das Besondere an Dannhauers Herangehensweise ist allerdings, dass sie nicht nur mit Daten und Fakten hantiert, obwohl sie die ebenfalls im Gepäck hat und etwa das Kapitel „Ernährung“ es mit jedem wissenschaftlichen Vortrag aufnehmen kann. Sie bringt Leben in die Zahlen und interpretiert diese mithilfe ihres traditionellen Hebammenwissens – kurz: Sie erklärt jede Situation, jeden Mythos und jede aus medizinischer Sicht möglicherweise unkonventionelle Wahrheit mit einem ganzheitlichen Blick.

Dass die Homöopathie da nicht weit ist, wundert wohl nicht. Zu jedem größeren Abschnitt finden sich Ratschläge aus der Alternativmedizin, d.h. die passenden Globuli oder Bachblüten, um bestimmte Gemütszustände während der Schwangerschaft zu stabilisieren. Ein typisches Beispiel ist hier etwa die innere Rebellion gegen die plötzliche „Fremdbestimmung“ durch Kugelbauch und Kind. Wer daran gewöhnt ist, seine Angelegenheiten intellektuell und autark zu lösen, steht Schwanger- und Mutterschaft möglicherweise ambivalent gegenüber: Klar will man Kinder, aber was soll bitte an Übelkeit und ständigem Stillen so toll sein? Hier kann Sepia helfen, um das Gemüt für mütterliche Weichheit und einen positiven Blick zu harmonisieren.

Individuelle Optionen statt einer Wahrheit für alle

Ob medizinische Notwendigkeit oder „Kräuterwissen“: Dannhauer fordert zu einem offenen Blick auf sich selbst auf und formuliert ihre Vorschläge nicht als Muss, sondern als Möglichkeit. Damit macht sie ihren Leserinnen immer wieder Mut, vor allem auf ihr eigenes Empfinden zu vertrauen – es gibt kein „richtig“oder „falsch“, solange sich alles gut anfühlt.

Selbst das große Thema „Geburt“ kann man ihrer Meinung nach getrost dem Körper und dem Baby überlassen: Im Gegensatz zum vernunftgesteuerten Kopf wissen diese beiden nämlich genau, was zu tun ist. Sich informieren, loslassen und den eigenen Weg finden: Das ist Dannhauers Philosophie. Passend dazu gibt sie jede Menge große und kleine, handfeste und manchmal unkonventionell anmutende Tipps, wie das funktionieren kann.

Hebamme to go?

Was Dannhauer in „Guter Hoffnung“ nicht thematisiert und was die Lektüre ihres Buches gleichzeitig besonders wertvoll macht, ist die aktuelle Situation ihres Berufs. Freiberufliche Hebammen haben mit extrem erschwerten Bedingungen zu kämpfen: Viele von ihnen wurden durch astronomisch hohe Beiträge für ihre Haftpflichtversicherung bereits zur Aufgabe gezwungen. Es ist also nicht mehr selbstverständlich, die eigene Hebamme – wenn man denn eine findet, die noch nicht ausgebucht ist – bei der Geburt dabeizuhaben. Außerdem konkretisieren sich die Pläne zur sogenannten „Wochenbettambulanz“ immer mehr. Und das bedeutet: Statt sich zu Hause zu erholen und bei täglichen Besuchen der vertrauten Hebamme alle Probleme vom Milchstau bis zum „Heultag“ besprechen zu können, müssen sich frisch entbundene Mütter dann auf den Weg in die nächste Praxis machen. Mit Termin, und einer möglicherweise höllisch schmerzenden Dammnaht und einem schreienden Säugling.

Anders gesagt: Früher hätten Frauen Dannhauers Tipps von einer direkten Ansprechpartnerin bekommen, die ihnen persönlich zur Seite stand. Denn früher gehörte eine Hebamme zu einer Geburt einfach dazu – ja, lange Zeit waren Schwangerschaft und Entbindung sogar ausschließlich Sache dieses naturheilkundlich äußerst bewanderten Berufsstamms. Ihre Arbeit konzentrierte sich dabei darauf, die Geburt für Mutter und Kind auf natürlichem Weg zu ermöglichen – erst in den 50er Jahren wurde die Geburt immer mehr als „medizinischer Notfall“ betrachtet und entsprechend mit Vollnarkose, Kaiserschnitt und PDA behandelt. Heute geht dieser Trend zwar langsam wieder zurück, doch aufgrund der Versicherungssituation konzentrieren sich viele Hebammen inzwischen auf Schwangerenvorsorge und Wochenbettbesuche. Wenn diese Art der Betreuung nun von Ambulanzen übernommen wird, bleibt immer weniger Zeit für die Face-to-Face-Vermittlung von traditionellem Hebammenwissen.

Aus der Sicht einer schwangeren Leserin lässt sich daher nur sagen: Eine echte Lösung für dieses Problem oder gar ein Ersatz für den Besuch einer echten Hebamme ist auch ein Buch sicher nicht – aber dennoch ein Lichtblick.

Für alle, die mehr wollen als Ultraschall und Mutterpass

Zielgruppe des Ratgebers sind damit alle werdenden Mütter, könnte man sagen. Denn auch wer nicht an Homöopathie, Bachblüten und Co. glaubt oder sich lieber auf die puren medizinischen Fakten verlässt, kann von dem zusätzlichen Wissen über alternative Heilmethoden sicherlich profitieren.

Frauenärzte nehmen sich nicht immer die Zeit, die Zahlen und Daten im Mutterpass mit echtem Leben zu füllen. Auch eine direkte „Kontaktaufnahme“ wie der Ultraschall und damit die konkrete Gewissheit, dass es dem Baby im Bauch gut geht, dauert nur ein paar Minuten.

Was Kareen Dannhauer dagegen in ihrem Buch vermittelt, zielt auf eine dauerhafte (Ver-)Bindung ab – zwischen der Mutter und ihrem ungeborenen Kind, aber zwischen Kopf und Körper: Wie fühle ich mich? Was geht mir durch den Kopf und warum? Wie geht es „uns“, sprich: dem Baby und mir? Was brauchen wir? Fragen also, die nicht nur in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielen.

Cover_Dannhauer

Eine moderne Version der „Hebammensprechstunde“

Ob Ernährung oder Geburtsvorbereitung, Wehwehchen oder die einfache Frage, wie sich denn nun die ersten Kindsbewegungen anfühlen: „Guter Hoffnung“ deckt die ganze Bandbreite vom Schwangerschaftstest bis zum Wochenbett zuverlässig und informativ ab.

Na klar, das können andere Ratgeber auch – nicht zuletzt der bewährte Klassiker „Die Hebammensprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann, welcher schon seit über zwanzig Jahren alle Fragen rund um die alternative Schwangerschafts- und Säuglingsbetreuung umfassend abdeckt. Doch Kareen Dannhauer nimmt kein Blatt vor den Mund und versteckt sich nie hinter zaghaften Formulierungen: Ihre authentische Sprache vermittelt vielmehr Satz für Satz den Eindruck, eine äußerst kompetente Freundin auf der Bettkante sitzen zu haben. Und die möchte man schon nach den ersten Kapiteln nicht mehr missen.

Angenehm ist obendrein, dass einen diese „Freundin“ nicht in eine bestimmte Richtung drängt: Man muss nicht jedem ihrer Ratschläge hundertprozentig folgen, um eine gute Schwangere oder Mutter zu sein. Auch muss man sich nach der Lektüre von „Guter Hoffnung“ nicht zwingend einen Vorrat Pulsatilla, Walnut & Co. zulegen – wenn man möchte, kann man diese alternativ-medizinischen Ratschläge sogar überspringen. Denn statt des „einzig wahren Weges“ vermittelt die Autorin vielmehr das Zutrauen zum eigenen Körper: Du kannst das, du kannst gebären, du kannst Mutter sein. Genau diese Gewissheit und Vertrauen auf die innere Kraft, kann jeder Schwangeren nur Mut machen.

Daher eine ganz dicke Empfehlung für dieses wunderbare Buch!

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