Schwangerschaft und Stillzeit und das Coronavirus

Worauf du in der Schwangerschaft achten solltest

Dr. med. Judith Bildau 10.03.20
coronavirus in der schwangerschaft

Freundinnen im Café treffen oder den Nachmittag im Museum verbringen – nach Monaten des “Social Distancing” kommt der Eindruck auf, dass die Normalität langsam wieder zurückkehrt. An die vielen Desinfektionsspender, das Tragen der Mund-Nase-Masken im öffentlichen Raum und die Abstandsregelungen haben wir uns langsam gewöhnt.

Trotz der Lockerungen der Maßnahmen im Juni 2020 ist die aktuelle Situation gerade für werdende Mamas nicht einfach. Möglicherweise machst du dir gerade Sorgen, vor allem um dein ungeborenes Baby. Wir möchten alle wichtigen Informationen über das Coronavirus COVID-19 und die Gefahr einer möglichen Infektion in der Schwangerschaft mit dir teilen und dir außerdem wichtige Schutzmaßnahmen an die Hand geben.

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Sind Schwangere besonders anfällig für eine Infektion mit COVID-19?

Aufgrund ihres Immunstatus während der Schwangerschaft sind Schwangere grundsätzlich anfälliger für sämtliche Infektionen, so zum Beispiel auch für eine Grippeinfektion. Laut des Robert Koch Instituts (RKI) sind Schwangere jedoch (Juli 2020) nicht stärker gefährdet als Nichtschwangere, einen schweren Krankheitsverlauf durch SARS-CoV-2 zu erleiden. Aufgrund der geringen Datenlage kann eine erhöhte Empfänglichkeit für Infektionen durch SARS-CoV-2 aber nicht ausgeschlossen werden.

Das Coronavirus – was ist das eigentlich?

Das Virus SARS-CoV-2 gehört zur Familie der Coronaviridae. Unter dem Elektronenmikroskop erscheint es so, als ob die Virushülle dieser Virenarten einen Strahlenkranz besäße, weshalb die einzelnen Viren auch als Coronavirus bezeichnet werden. Insgesamt gibt es verschiedene Arten der Coronaviren.

SARS wiederum steht für die Abkürzung „Schweres Akutes Atemwegssyndrom”, ein Krankheitsbild, das von dem Virus ausgelöst werden kann.

Seit Ende 2019, ausgehend von der chinesischen Stadt Wuhan, wurde nun eine weltweite Ausbreitung des bis dahin unbekannten Virus SARS-CoV-2 beobachtet. Seit Ende Februar 2020 wurden erstmals Neuinfektionen außerhalb Chinas beobachtet. Anfang März wurde COVID-19 von der WHO zur Pandemie erklärt. Nachdem sich das Virus im Frühjahr vor allem in Europa und den USA verbreitete, entwickelte sich im Mai und Juni  Lateinamerika zum neuen Epizentrum der Coronavirus-Pandemie.

Welche Symptome macht SARS-CoV-2?

Infizierte Menschen können eine Vielzahl von Symptomen haben. Häufig liegen einfache Erkältungserscheinungen, wie eine Schnupfnase, erhöhte Temperatur, Husten und Müdigkeit vor. Allerdings besteht auch die Gefahr einer schweren Lungenerkrankung bis hin zum bereits oben genannten „Schweren Akuten Atemwegssyndrom“. Schwere Verläufe werden meistens bei älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen beobachtet. Allerdings können auch junge und bis dahin völlig gesunde Menschen einen schweren Krankheitsverlauf erleiden. In diesen Fällen ist in der Regel eine intensivmedizinische Behandlung, häufig auch mit künstlicher Beatmung, notwendig.

Wie ist die Inkubationszeit beim Coronavirus?

Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit von der Infizierung bis zu ersten Krankheitszeichen, liegt laut WHO bei 5 bis 6 Tagen, in Einzelfällen bis zu 14 Tagen. Ein Problem ist auch, dass infizierte Menschen besonders in dieser Zeit, also wenn sie noch gar nicht wissen, dass sie den Virus in sich tragen und beschwerdefrei sind, bereits eine hohe Infektiosität besitzen.

Wie erfolgt die Ansteckung mit dem Coronavirus?

Nach derzeitigen Erkenntnissen erfolgt die Übertragung bei direktem Kontakt z.B. über Sprechen, Husten oder Niesen und über die Handflächen oder andere Oberflächen – hier sprechen wir von der Tröpfcheninfektion. Auch Aerosole, die längere Zeit in der Luft schweben können, spielen eine große Rolle. Durch Abstandhalten kann die Exposition gegenüber Tröpfchen sowie in gewissen Umfang auch Aerosolen verringert werden.

Eine Übertragung des Coronavirus durch Aerosole ist in bestimmten Situationen über größere Abstände möglich. Wenn z.B. viele Personen in nicht ausreichend belüfteten Innenräumen zusammenkommen kann es verstärkt zur Anreicherung von Aerosolen kommen. Das kann beim Sprechen, beim Singen oder auch bei sportlicher Aktivität passieren. Inwieweit es hier zur Übertragung kommen kann, ist noch nicht abschließend untersucht.

Generell können Aerosole durch regelmäßiges Lüften vermindert werden. Übertragungen des Coronavirus im Freien über Distanzen von mehr als 1,5 m sind bisher nicht beschrieben. Das Einhalten eines Abstands von mindestens 1,5 m wird auch im Freien empfohlen, um eine direkte Exposition gegenüber Tröpfchen und Aerosolen zu minimieren.

Wie gefährlich ist das Coronavirus und wer ist besonders gefährdet?

Die Mortalität des SARS-CoV-2, also die Gefahr durch eine bestehende Erkrankung zu versterben, liegt nach aktuellem Wissensstand bei ein bis zwei Prozent. Eine gezielte Therapie der Infektion gibt es bislang noch nicht, jedoch wird an Impfstoffen gegen das Virus geforscht

Alle Menschen können sich mit dem neuartigen Coronvirus infizieren. Für den größten Teil stellt diese Infektion jedoch keine große Gefahr dar. Auch Kinder und Kleinkinder können sich anstecken, wobei auch hier der Krankheitsverlauf meist mild (1) verläuft. Alte Mensche, Menschen mit schweren Vorerkrankungen (vor allem mit chronischen Lungen- und Nierenerkrankungen) sowie abwehrgeschwächte Menschen (z.B. durch eine Immunsupression, der Unterdrückung des körpereigenen Abwehrsystems nach Organtransplantation oder Krebspatienten/innen) haben ein deutlich höheres Risiko, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. Aktuelle Informationen hierzu findest du beim Robert Koch Institut.

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Müssen Stillende und Eltern mit Neugeborenen besonders vorsichtig sein?

Das Virus kann nach aktuellen Erkenntnissen nicht durch Muttermilch auf das Kind übertragen werden, weswegen auch bei einer Infektion weiter gestillt werden kann. Bisher ist weltweit nur ein Fall beschrieben, in denen der Erreger in der Muttermilch gefunden wurde, eine Übertragung durch das Stillen gilt bisher als unwahrscheinlich (2). Die Übertragung erfolgt typischerweise über Mund/Nase und Augen sowie möglicherweise Stuhl. Um eine Übertragung des Virus zu vermeiden, sollten stillende Mütter vor dem Anlegen des Kindes an die Brust gründlich ihre Hände waschen und desinfizieren sowie während des Stillens einen Mundschutz tragen.

Laut jetzigem Wissensstand (August 2020) und der Erfahrung der letzten Monate können sich Kinder zwar auch mit dem Coronavirus anstecken und es übertragen, leiden aber in der Regel nicht unter schweren Symptomen, sondern haben einen milden Krankheitsverlauf.

Wie kannst du dich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen?

Eine vorbeugende Impfung gegen SARS-CoV-2 ist noch nicht vorhanden. Allen Schwangeren wird allerdings geraten, sich gegen Grippe impfen zu lassen, damit eine zeitgleiche Infektion mit einem möglicherweise schweren Verlauf nicht möglich ist.

Wenn du folgende vorbeugende Maßnahmen beachtest, kannst du dich und auch deine Mitmenschen gut vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen:

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die richtige Hygiene und soziale Distanz!

  • Regelmäßiges, richtiges Händewaschen (ganz wichtig: neben Handflächen und -rücken besonders an die Fingerzwischenräume denken!), ggf. Benutzen von Desinfektionsmittel (rein antibakterielle Desinfektionsmittel reichen nicht aus, sie müssen explizit viruzid sein!)
  • In die Ellenbeuge niesen und husten
  • Aktuell auf einen Handschlag und Umarmungen bei der Begrüßung verzichten
  • Halte mindestens 1,5  Meter Abstand zu Menschen, die nicht in deinem Haushalt leben, um die Verbreitung des Coronavirus zu bremsen
  • Benutzte Taschentücher in einem geschlossenen Behälter entsorgen
  • Trage einen Mundschutzes zum Schutz gegen die Verbreitung von Aerosolen und Tröpfchen im öffentlichen Raum. Das schützt Risikogruppen und reduziert laut RKI (3) den Infektionsdruck und damit die Ausbreitungsgeschwindigkeit von COVID-19 in der Bevölkerung
  • Zu hustenden, niesenden Menschen einen Abstand von etwa 1,5 bis 2 Metern halten – in der aktuellen Situation empfiehlt sich ein genereller zwischenmenschlicher Abstand von 1,5 Metern. Das bedeutet auch, große Menschenansammlungen zu vermeiden.

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Was tun beim Verdacht auf eine Corona-Infektion?

Hast du spezifisch Symptome, wie Erkältungszeichen, Fieber und/oder Atembeschwerden, ist es wichtig, dass du dich NICHT in das Wartezimmer deines Hausarztes/deiner Hausärztin begibst. Du könntest dort weitere Anwesende anstecken.

Bitte rufe in diesem Fall den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117, in der Praxis oder im nächstgelegenen Krankenhaus an und frage, wohin du dich wenden sollst. Bei einem Verdachtsfall wird ein Abstrich aus den Schleimhäuten entnommen und untersucht. In der Regel dauert es 24 – 48 h, bis das Ergebnis vorliegt.

Vermeide, solange der Verdacht auch eine SARS CoV-2-Infektion besteht, unbedingt den Kontakt zu anderen Personen.

Wenn zu einer Person, die mit dem neuen Coronavirus infiziert ist, Kontakt hattest, wende dich bitte unverzüglich an zuständiges Gesundheitsamt.

Bereite dich gut auf die Geburt vor und bewahre Ruhe!

Wenn du die empfohlenen Hygienemaßnahmen beachtest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dich vor einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus schützen zu können. Das Robert Koch-Institut (RKI) mahnt eindringlich zum Abstandhalten. Aus diesem Grund finden derzeit die meisten Geburtsvorbereitungskurse online statt. Die Geburtsvorbereitung ist allerdings wichtiger denn je, damit du zuversichtlich in die Geburt gehen kannst.

Die Situation in den Krankenhäusern war deutschlandweit sehr unterschiedlich. In der Regel dürfen aber wieder Männer ihre Frauen in den Kreißsaal begleiten und auch auf der Wochenbettstation besuchen. Auf umfangreichen Besuch von Freunden und Verwandten müssen die frischgebackenen Mamas jedoch erstmal verzichten.

Online Geburtsvorbereitungskurse, wie der Keleya Geburtsvorbereitungskurs bieten daher eine sehr gute Alternative. Den Kurs kannst du ganz bequem von Zuhause aus machen. Er enthält alle Inhalte, wie ein ein Kurs vor Ort und ist von der Hebamme Sabine Kroh (seit 30 Jahren Hebamme) und weiteren interdisziplinären Experten, wie z.B. Gynäkologen, erstellt. Er wird von einigen Krankenkassen (zum Beispiel AOK Plus, SBK, DAK) bereits erstattet.

 

Mein Rat als Frauenärztin:

Angst ist ein schlechte Ratgeber! Viel sinnvoller ist ein besonnener und verantwortungsvoller Umgang mit der aktuellen Situation. Dies rät auch das Bundesgesundheitsministerium. Bleibe also Zuhause und mache es dir in nächster Zeit besonders gemütlich. Verwöhne dich mit Dingen, die dir guttun und konzentriere dich auf dich und dein Baby. Bitte lasse dich von der allgemeinen Panik nicht anstecken, sondern genieße die besondere Zeit deiner Schwangerschaft. Bist du unsicher oder hast weitere Fragen, wende dich bitte ruhigen Gewissens an deine Frauenärztin/ deinen Frauenarzt und/oder deine Hebamme.

Einen weiteren Artikel unserer Autorin Judith Bildau zum Thema Geburt zur Zeit von Corona findest du hier: https://mutterkutter.de/geburt-und-corona/

(1)https://www.mayoclinic.org/coronavirus-in-babies-and-children/art-20484405 (05.08.2020)

(2)https://europepmc.org/article/pmc/pmc7241971 (05.08.2020)

(3) https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Mund_Nasen_Schutz.html (05.08.2020)



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