Entbinden mit HypnoBirthing – eine schmerzfreie und sichere Geburt durch Selbsthypnose 

Eine natürliche Geburt ohne Schmerzen? Ist das wirklich möglich?

HypnoBirthing ist der etwas andere Geburtsvorbereitungskurs. Die Geburtsmethode nach Marie F. Mongan verspricht Frauen ein natürliches Gebären ohne Schmerzen und ohne Angst. Mittels eines Kurses oder ihres Buches und einer Audio-CD mit vier erlernbaren Techniken, können werdende Mütter lernen, sich selbst zu hypnotisieren und ihr Kind schließlich sanft und sicher zur Welt bringen.

Selbstverständlich kommt bei der Hypnobirthing Methode kein Magier mit schwingendem Pendel in den Kreissaal und schnippt mit den Fingern, sobald das Baby kommt. HypnoBirthing ist eine anerkannte Geburtspraktik und versteht das Gebären als ein völlig natürliches Ereignis und nicht als medizinischen Prozess. Kinder schmerzfrei und in einer vertrauten Umgebung zur Welt bringen, ist laut Mongan das Selbstverständlichste für den weiblichen Körper, so wie es auch von vielen Naturvölkern seit tausenden von Jahren gelebt wird.

Mit Hilfe von verschiedenen Techniken (z.B. Atemübungen), die selbstständig oder in einem Kurs während der Schwangerschaft und sogar bei der Geburt praktiziert werden sollten, können Blockaden überwunden und schließlich der für den Geburtsverlauf gewünschte Hypnosezustand erreicht werden.

HypnoBirthing nach Marie F. Mongan – eine leichte und natürliche Geburt für jede Frau

Begründerin dieser selbstbestimmten Art zu gebären ist die Amerikanerin Marie F. Mongan. Die heutige Direktorin des HypnoBirthing-Instituts in New Hampshire, hatte schon in den frühen Achtzigern einen Traum: jede Frau auf der Welt sollte die Geburt als ein positives Erlebnis für sich und ihr Kind kennenlernen. Bereits 1959 gebar Mongan ihr erstes von vier Kindern nach ihrem eigenen Verständnis: schmerzfrei, sicher und schnell.

Erst knapp 30 Jahre später, nach der offiziellen Anerkennung der Methode und der Gründung von klassifizierten HypnoBirthing-Instituten, erleben auch andere Mütter in den USA eine sanfte und natürliche Geburt nach der Mongan-Methode. Heute erreicht die erfolgreiche Autorin mit ihrem Werk „HypnoBirthing- der Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt“  Schwangere auf der ganzen Welt. Alleine in Deutschland wurden bislang ca. 6000 Kinder mit HypnoBirthing zur Welt gebracht. Glaubt man Presseberichten, soll sogar die britische Prinzessin Kate ihre beiden Kinder auf diese Weise entbunden haben.

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Kurz nach der Geburt. ChameleonsEye/Shutterstock.com

Affirmationen beeinflussen das Unterbewusstsein positiv

Die Angst ist laut Mongan der Hauptgrund, weswegen das Geburtserlebnis bislang in unserer Kultur so negativ empfunden und verbreitet wird. Doch nicht nur die Furcht vor der Geburt – alle tiefsitzende Ängste können Schwangere so sehr blockieren, dass sie sich unmittelbar negativ auf den physischen Geburtsprozess auswirken können Muskelkrämpfe, Durchblutungsstörungen und vermehrter Ausschüttung von Stresshormonen sind die Folgen unverarbeiteter Blockaden. Das Stresshormon Cortisol, war ursprünglich in der Steinzeit für den Fluchtreflex vorgesehen und wirkt somit entgegen des natürlichen Vorgangs bei den Kontraktionen. Denn die sogenannten „Geburtswellen“ können dann nicht ihre Wirkung erzielen und der Muttermund kann sich nicht weiter öffnen.

Ist die Gebärende hingegen entspannt und locker, kann auch die Geburt fließend und ganz natürlich ablaufen. Das tägliche wiederholen von sogenannten Geburtsaffirmationen soll dabei helfen, diese Furcht zu bewältigen und die Körperkräfte sinnvoll zu nutzen. Eine Affirmation, also in diesem Fall die ganz bewusste Vorstellung eines leichten Geburtsablaufs, lautet dann: „Ich freue mich auf mein Baby“ oder „die Geburt wird leicht und angenehm“. Alleine durch das tägliche Wiederholen der Geburtsaffirmationen, speichert das Unterbewusstsein das Geburtsereignis irgendwann als positive Erfahrung ab, da es nicht zwischen einem tatsächlichen Erlebnis und der bloßen Vorstellung dessen unterscheiden kann. Statt dich also von den negativen Erfahrungsberichten anderer Mütter verängstigen und demotivieren zu lassen, formuliere bewusst positive Erwartungen an die Geburt deines Babys.

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Schwangerenmassage auf einem großen Gymnastikball. Newman Studio/Shutterstock.com

Körper und Geist auf eine leichte Geburt ohne Schmerzen und Ängste trainieren

Wenn du dich für eine natürliche Geburt mit HypnoBirthing entscheidest, sollte dir bewusst sein, dass du dich damit von vornherein gegen schmerzmildernde Eingriffe medizinischer Art beim Geburtsprozess entscheidest. PDA, Lachgas oder andere narkotisierende Mittel lehnt die Mongan-Methode ab.

Die vier HypnoBirthing Basistechniken 

  • Atmung
  • Visualisierung
  • Entspannung
  • Vertiefung

Im Buch bzw. auf der beiliegenden Audio-CD, finden sich die jeweiligen Übungen zu den verschiedenen Techniken. Natürlich können alle von der werdenden Mutter alleine, am besten aber direkt zusammen mit dem Geburtsgefährten bzw. der Geburtsgefährtin ausgeführt werden. Ergänzend zur Lektüre und zur CD, empfiehlt Mongan die gemeinsame Teilnahme an einem klassifizierten HypnoBirthing Kurs. Geprüfte Coaches stehen begleitend zur Seite und helfen beim Erlernen der Techniken, wie eine Hebamme im klassischen Geburtsvorbereitungskurs.

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Regelmäßiges Üben der unterschiedlichen Atemübungen bereitet optimal auf die Geburt vor. VG stockstudio/Shutterstock.com

Ruheatmung, Wellenatmung und Geburtsatmung 

Mit drei sanften Atemübungen wird die Sauerstoffproduktion angeregt, die Wellen (Synonym beim HypnoBirthing für Wehen) gesteuert und das Baby letztendlich bei der Geburt „hinaus geatmet“:

Die Ruheatmung

Sie wirkt anregend auf die Sauerstoffproduktion und kann immer praktiziert werden, solange keine aktiven Kontraktionen eingesetzt haben. Atme dazu tief in den Bauch hinein und zähle langsam bis vier. Atme noch langsamer durch die Nase aus, während du von eins bis acht zählst. Senke beim Einatmen die Schulter und stelle dir vor, wie du deinen Atem in Richtung Becken fließen lässt.

Die Wellenatmung

Statt von Wehen spricht man beim HypnoBirthing von Wellen. Diese lassen sich durch tiefes Einatmen in den Unterleib und durch schnelles Ausatmen durch den Mund kontrollieren. Wichtig ist dabei die Vorstellung, den Sauerstoff zum Baby hin zu atmen.

Die Geburtsatmung

Bei der Geburt gilt es, das Baby nach und nach in einer J-Form „hinaus zu atmen“, statt auf Kommando zu pressen. Zur Hilfe soll sich die Gebärende dabei eine sich langsam öffnende Seerose oder Lotusblüte vorstellen, die schließlich das Baby hervorbringt.

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Mit der Hypnobirthing CD lassen sich die Atem- und Entspannungstechniken leicht jederzeit üben. George Rudy/Shutterstock.com

Entspannungstechniken – mit Buchstaben und Berührungen zur Tiefenentspannung

Zu den beruhigenden Atemübungen, sollten auch die im Buch beschriebenen Entspannungstechniken täglich angewendet werden. Ob progressive Entspannung, verschwindende Buchstaben, die leichte Berührungsmassage oder der Anker – jede Übung steht für sich und soll letztendlich schnell zu einer tiefen Entspannungsebene führen.

Visualisierungstechniken – mit der Regenbogenentspannung zur Hypnose

Neben den Atem- und Entspannungsübungen, sollte auch die Regenbogenentspannung als wichtigste Visualisierungstechnik unbedingt zum Tagesablauf gehören. Das Lesestück befindet sich auf der beiliegenden Audio-CD und soll den Verstand zur Hypnose konditionieren. Die einzelnen Phrasen werden monoton vorgetragen und durch eine ausgewählte Komposition im Hintergrund begleitet. Ziel dieser Audio-Übung ist es, die eigentliche Umgebung völlig auszublenden und schließlich in einen tranceartigen Zustand zu geraten. Diesen zu erreichen, erfordert viel Zeit und Übung, weswegen die Regenbogenentspannung schon zu Beginn der Schwangerschaft empfohlen wird.

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Visualisierungstechniken für die Geburt. Antonio Diaz/Shutterstock.com

Vertiefungstechniken – intensive Übungen für den Geburtsprozess

Diese Techniken sind eigens für den Geburtsprozess entwickelt. Bei den sogenannten Vertiefungstechniken geht es darum, in einen immer tieferen Zustand der Hypnose zu fallen: Je weiter die Geburt voranschreitet, desto intensiver sollte das Entspannungsgefühl sein. Folgende Übungen werden dafür empfohlen:

  • Die Handschuhentspannung

    Der rechten Hand wird ein unsichtbarer Handschuh übergezogen, der ein taubes Kribbeln erzeugt, das sich immer mehr verstärkt und die Hand schließlich vollkommen unempfindlich werden lässt. Dieses Gefühl der Taubheit kann auf alle anderen Körperstellen übertragen werden.

  • Das Tiefometer

    Im Körper wird ein großes umgedrehtes Thermometer visualisiert. Während die Schwangere von 40 auf null hinunter zählt, verteilt sich im Temperaturröhrchen eine Entspannungsflüssigkeit, die für eine immer tiefere Entspannung sorgt.

  • Der Wahlschalter

    In einem tiefen Entspannungszustand werden bestimmte Bereiche des Körpers an- bzw. ausgeschaltet.

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Atemübungen aus dem Hypnobirthing. George Rudy/Shutterstock.com

Wenn du dich bereits für eine natürliche Geburt mit HypnoBirthing entschieden hast oder du dir noch nicht ganz sicher bist, informiere dich am Besten bei der zuständigen Kursleiterin in deiner Nähe.Sie wird sich zunächst in einem persönlichen Vorgespräch ein genaues Bild von deinem Gesundheitszustand machen und dich zu deinen genauen Vorstellungen der Geburt befragen. Bei der HBGE (HypnoBirthing Gesellschaft Europa) kannst du HypnoBirthing Kurse nach PLZ-Gebieten suchen: http://hypnobirthing.ch/fur-eltern/kursleiterin-in-ihrer-nahe/

 

Optimal auf die Geburt vorbereiten kannst du dich auch mit den Entspannungsübungen aus der Keleya App.

Published by

Nadja Tiedtke

Unsere Autorin Nadja Tiedtke ist studierte Journalistin und Mama eines einjährigen Sohnes. Auf ihrem Blog Mama Hamburg, bloggt sie über nachhaltige Produkte für Babys & Mütter, die mit Herz und Hand gefertigt werden.

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