Interview mit Sabine Kroh vom digitalen Hebammenservice Call a midwife

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Mit call a midwife bietest du ein digitales Hebammenservice für Schwangere an. Warum hast du Call a Midwife gestartet?

Call a midwife ist in Berlin entstanden. Die Familien hier haben mich auf die Idee gebracht, da viele aus anderen Ländern kommen, wo man die gute rundum Hebammenbetreuung in Deutschland nicht kennt. Unser Leben wird immer digitaler, auch meines und und die Arbeit als Hebamme ebenso.  

Der Hebammenberuf ist ein sehr alter und traditioneller Beruf. Die Digitalisierung geht aber auch an uns Hebammen nicht vorüber. Die Frauen und Familien sind digital und suchen nach Antworten im Netz. Deshalb sollten wir Hebammen auch dort sichtbar sein.

Wie funktioniert eine Hebammenbetreuung online? Muss eine Hebamme nicht vor Ort sein?

Ein Betreuung online ist eine sinnvolle Ergänzung zum Besuch vor Ort und kann diese aber keinesfalls ersetzen. Vielen Frauen erspart es die Fahrt zum Arzt oder in die Klinik mit langen Wartezeiten oder verunsicherten Antworten von Dr. Google oder aus diversen Foren. Und welcher Frauenarzt oder Kinderarzt ist schon direkt erreichbar? Wenige Länder in der EU bieten eine kompetente Hebammenberatung vor Ort an. Für diese Frauen und Familien ist dann eine Online Beratung die einzige Möglichkeit Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Denn auch online kompetente und individuelle Antworten auf Fragen zu geben ist eine Herausforderung, der wir Hebammen uns im 21. Jahrhundert stellen sollten.

Was ist der Vorteil für die Schwangere/Wöchnerin?

Für viele ist die Online Beratung eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit Fragen auf eine medizinisch kompetente und vor allem individuelle Antwort zu bekommen, ohne das sie lange auf einen Termin warten müssen oder im Internet eher noch mehr verunsichert werden.

An wen richtet sich das Angebot genau? Wer sind eure Kundinnen? Aus dem In- oder Ausland?

Wir haben im Ausland gestartet und dort sehr gute Rückmeldungen von Familien bekommen. Mittlerweile haben wir aber auch Anfragen aus Deutschland von Frauen, die gern online beraten werden wollen oder keine Hebammen finden und unsere Beratung online nutzen. Unser Angebot richtet sich an alle, die im Internet nach Informationen suchen und eine direkte, kompetente und individuelle Antwort auf ihre Fragen suchen – auch über die reguläre Betreuung der Hebamme vor Ort hinaus.

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Wie reagiert ihr auf Notfälle? Bzw. wie können Kundinnen überhaupt eine Einschätzung ihres “Problems” bekommen?

Grundsätzlich sind wir kein Notfall Telefon, wenn es um schnelle medizinische Hilfe geht. Aber ein wunder Po des Babys oder eine schmerzende Brust sind aus der Sicht der Frau schon eine Situation, in der sie schnelle und kompetente Hilfe braucht.

Kann man die Leistungen auch über die Krankenkasse abdecken?

Unsere Pakete sind bis jetzt noch keine Leistung im Gebührenkatalog der Krankenkassen. Wir helfen den Frauen aber gern in der Kommunikation mit den Krankenkassen, damit sie die Leistungen erstattet bekommen und bemühen uns parallel, mit Krankenkassen ins Gespräch zu kommen.

Wie schätzt du die Lage der Geburtshilfe zur Zeit und in Zukunft ein? – Wird die Hebammenbetreuung zukünftig hauptsächlich online stattfinden?

Ich denke, dass sich viele Dinge sehr schnell ändern und Neues entsteht, auch wenn wir sie uns vielleicht heute noch gar nicht vorstellen können oder sie uns Angst machen.

Geboren werden Kinder schon immer mit der Kraft des Körpers der Frau. Sehr Bedenklich ist die Entwicklung in der Geburtshilfe mit einer sehr hohen Kaiserschnittrate und es zeigt, wie sehr wir das Vertrauen darin verlieren und denken, die Medizin gibt uns dafür das Recht, es besser zu wissen. Die Hebammenarbeit ist ein Handwerk mit einem alten Wissen um die Natur der Geburt und der Zeit vor und danach, gepaart mit einer medizinisch fundierten Ausbildung. Trotzdem können und sollten wir uns den Möglichkeiten und Vorteilen der Digitalisierung nicht verschließen oder sie sogar verteufeln. Wir sollten mit Bedacht und Vorsicht schauen, wie wir diesen traditionellen Beruf auch in Bereichen digitalisieren können, um damit nicht zuletzt auch der allseits in der Öffentlichkeit beschriebenen Abschaffung unseres Berufes entgegen zu wirken.

Betreut ihr einige eurer Klientinnen auch persönlich?

Alle Hebammen von call a midwife arbeiten auch ganz normal in der aufsuchenden Betreuung vor Ort. Nach dem Ende der Betreuung können natürlich auch Frauen, die wir persönlich schon kennen unseren Service nutzen.

Ist Call a Midwife ein ergänzender Service zu den Vorsorgeuntersuchungen der Gynäkologen und Hebammen?

Genau das wollen wir sein, eine sinnvolle Ergänzung zu den regulären Vorsorgeuntersuchungen. Viele Frauen haben auch neben diesen Terminen Fragen und finden hier wenig und gute und vor allem individuelle Antworten mit einer reellen Person, die sich Zeit nimmt und ortsunabhängig ohne Wege- und Wartezeiten Hilfe und Unterstützung gibt.

Wie soll sich Call a Midwife weiterentwickeln?

Wir werden in Zukunft ein Portal nicht nur mit der persönlichen Onlineberatung sein, sondern werden intensiv mit anderen Berufsgruppen zusammenarbeiten und unser Beratungsangebot erweitern. Wir haben viele Ideen, wie wir das ausbauen wollen und alle dürfen gespannt sein, wo wir in 1 oder 2 Jahren stehen.

Was sind die am häufigsten gestellten Fragen, die ihr digital beantworten könnt?

Viele Fragen kommen zu den üblichen Beschwerden in der Schwangerschaft und viele Fragen zum Stillen oder der Einführung der Beikost. Aber auch zum Schlafrhythmus, zur Verhütung, Rückbildung, Eingewöhnung in die Kita oder Geschwisterkindern. Viele Frauen nutzen das Angebot aber auch einfach, weil sie in ihrer Muttersprache beraten werden wollen.

Sabine Kroh von Call a Midwife

Vielen Dank für das Interview an Sabine Kroh von Call a midwife.

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