Schwanger und alkoholfrei durch den WM-Sommer – 5 Fragen an Nicole Klauß, Autorin von “Die neue Trinkkultur”

Liebe Nicole, als Mutter von zwei kleinen Kindern, ehemalige Art Consultant und Eventmanagerin, bist du jetzt als Gastroberaterin tätig und hast kürzlich dein Buch “Die neue Trinkkultur – Speisen perfekt begleiten ohne Alkohol” veröffentlicht. Außerdem bist du Mitglied bei Slowfood und sagst von dir selbst, du könntest nicht besonders gut nach Rezept kochen. Bitte erzähle uns, wie es zu diesem Buch kam und welche Tipps du Schwangeren und stillenden Mamas mit auf den Weg geben kannst, die nicht völlig auf ihren bisherigen Lebensstil verzichten und auch gerne mal ein bisschen feiern wollen.

  1. Wie bist du darauf gekommen, dich mit dem Thema alkoholfreie Drinks zu beschäftigen? Was hat dich inspiriert?

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Die neue Trinkkultur von Nicole Klauß, Foto: Stephan Klonk

Tatsächlich ist mein Buch aus einer Unzufriedenheit heraus entstanden: selbst in der anspruchsvollen Gastronomie gibt es kaum alkoholfreie Getränke zum Essen. Zudem vertrage ich alkoholische Getränke, dank meiner japanischen Gene, nicht besonders gut. Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war und beim Essengehen die Sommelière oder der Sommelier allen am Tisch den passenden Wein zum Essen empfahl und mir Mineralwasser mit oder ohne Kohlensäure oder Apfelschorle anbot, habe ich angefangen zum Thema der alkoholfreien Begleitung zu recherchieren und mit Produzenten von Säften, Mineralwassern und Landwirten gesprochen. Meine Ausbildung an der Deutschen Wein – und Sommelierschule hat mir bei der Arbeit am Buch natürlich auch sehr geholfen.  

2. Wo kommen deine alkoholfreien Getränke zum Einsatz und wie kommen sie an?

Häufig mache ich mit Gastronomen und dem Küchen – und Barteam einen Workshop und wir entwickeln zusammen gute und umsetzbare Getränke für ausgewählte Speisen. Danach begleite ich das Team entweder weiter – oder ihr Ehrgeiz ist geweckt und es werden eigenständig neue Getränke entwickelt. Manchmal sind es aber auch Kunden wie Stokke – da erfordert die Zielgruppe – Schwangere und Stillende – einfach schon einen sensiblen Umgang mit Alkohol. Und: Apfelschorle oder Limonade wollen viele auf Dauer einfach nicht mehr trinken. Das bekommen sie überall. Daher freuen sich alle, die gerade mal nicht trinken möchten, über gute und erwachsene Getränke ohne Alkohol.

3. Wie aufwendig ist die Zubereitung und das Organisieren der Zutaten?

Das kommt natürlich auf die Getränke an. Ist zum Beispiel Kombucha – der Teepilz enthalten, braucht man zum Teil einen Vorlauf von 14 Tagen. Getränke mit Wasserkefir brauchen etwa 2-3 Tage und ein Shrub, ein erfrischendes Sommergetränk mit Apfelessig und Früchten benötigt eine gute Woche.

In meinem Buch habe ich mich auf Zutaten konzentriert, die in jedem Supermarkt zu bekommen sind. Wichtig ist mir immer eine gute Qualität, möglichst bio, vor allem, wenn die Schale auch verwendet wird, zum Beispiel beim aromatisiertem Wasser (hier werden einfach ein paar Stunden vor dem Servieren frische Kräuter, Scheiben von Zitrusfrüchten oder Gurke und Ingwer in stilles Wasser gegeben. Anschließend in den Kühlschrank geben zum Chillen.

4. Was sollte man immer im Haus haben?

Diese Zutaten begleiten dich genussvoll und abwechlungsreich durch die Schwangerschaft:

Frische Kräuter und Früchte

Unbedingt sollte man im Sommer frische Kräuter (z.B. Basilikum, Pfefferminze, Rosmarin und Thymian) und Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen Grapefruit) im Haus haben. Daraus lässt sich im Nu ein erfrischendes, schmackhaftes “Infused Water” zaubern.

Hochwertiger Tee, auch als Coldbrew oder Iced Brew

Ganzblatttees – Tees einer guten Qualitätsstufe erkennt man daran, dass sie aus, meistens, gerollten Blättern bestehen, die sich beim Aufgießen  zu ihrer vollen Größe entfalten. Der günstige Tee im Teebeutel aus dem Supermarkt besteht primär aus der niedrigsten Qualitätsstufe – wer einmal einen Teebeutel geöffnet hat, findet dunklen Staub. In der Teefachsprache heißt diese Qualität “dust”.

Im Sommer bietet es sich an, einen grünen Tee in eine Karaffe mit Wasser zu füllen und für eine Nacht in den Kühlschrank zu stellen. Diese Zubereitungsart nennt sich “Coldbrew”. So kommen sehr fruchtige Nuancen in den Tee und Bitterstoffe entwickeln sich kaum.

Toll an heißen Tagen ist auch ein Iced Brew!

2-3 Eiswürfel mit einem Teelöffel Sencha (Grüntee aus Japan) in ein Glas geben. 2 Stunden bei Raumtemperatur ziehen lassen, ab und zu mal umrühren. Das Ergebnis ist ein fruchtiger Wachmacher. Wer auf den Koffeingehalt achtet, kann auch einen Houjicha nehmen: das ist ein gerösteter Grüntee, der überwiegend aus Blattstängeln besteht und kurz in einer Eisenpfanne geröstet wurde. Das Koffein im Tee steckt nämlich eher in den zarten Teilen vom Teeblatt.  

Hochwertiger Direktsaft darf in der alkoholfreien Hausbar nicht fehlen

Die ein oder andere Sorte eines hochwertiger Direktsaftes (toll sind hier die Apfelsäfte von Thomas Kohl aus Südtirol, der nicht nur reinsortige Apfelsäfte anbietet, sondern auch Cuvées aus Bergapfelsäften mit Holunderblüte, Hopfen oder Heidelbeere) sollte in der alkoholfreien Hausbar nicht fehlen.

Alkoholfreier Spirit und Sekt

Seit einiger Zeit gibt es einen alkoholfreien Spirit, der zusammen mit Tonic und Eis einen wirklich guten erwachsenen und vor allem nicht süßen Drink ergibt: Seedlip. Es gibt ihn zum Glück jetzt auch in Deutschland via Lifestyle Drinks.

Für Sektfreunde, die von manchen alkoholfreien Sektsorten nicht so angetan sind, ist Sparkling Tea aus Dänemark eine gute Alternative. Das ist ein wirklich gut gemachtes Getränk aus verschiedenen Tees (Grün-, Weiß-, Schwarz- und Kräutertees), abgeschmeckt mit Traubensaft und Bio-Zitronensaft. Der Sparkling geht pur oder zum Beispiel mit Holunderblütensirup und einer Limettenscheibe.

Ein schnell gemachter und guter alkoholfreier Cocktail:

  • Etwas Eis ins Glas füllen
  • 5 cl Seedlip
  • ein Schuss Bitterorangensirup
  • 2 cl Grapefruitsaft
  • mit Sparkling Tea auffüllen
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Alkoholfrei genießen, Foto: pixabay

5. Wie sähe für dich der WM-Drink aus? Verrätst du uns dein schnellstes Lieblingsrezept?

Mein WM-Sommer-Drink: Basilikum-Limonade

Für Liebhaber von frischen Kräuterlimonaden – empfehle ich immer ein Fläschchen selbst gemachten Sirup aus Basilikum im Kühlschrank zu haben: die Zutaten sind übersichtlich und für die Zubereitung braucht es nur einen Pürierer oder einen Blender.

  • 10 Stängel Bio-Basilikum (ich verwende hier gerne die kleinblättrige Version: Ocimum basilicum, die ist noch aromatischer als der große Bruder)
  • Saft von 2 Bio-Zitronen und einer Bio-Limette und ein paar Zesten von der Schale nach Geschmack
  • 150 ml Ahornsirup oder Reissirup
  • 100 ml Wasser
  • Extra für einen scharfen Twist: 1 TL geriebenen Ingwer dazu geben.

Alles zusammen gut pürieren.

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WM-Drink 2018: Basilikum-Limonade von Nicole Klauß, Foto: Nicole Klauß

Dekotip:

Bei der Eiswürfelbereitung ein paar Blättchen vom Basilikum oder von einer kleinblättrigen Minze in Eiswürfelbehälter legen und die Fächer mit Wasser auffüllen. Rosenblätter oder Dill machen sich auch gut. Das Auge trinkt ja schließlich mit.

Zum Servieren:

Eiswürfel in einen Tumbler geben, Sirup dazu, mit kaltem Mineralwasser nach Geschmack aufgießen und mit einem Basilikumstängel anrichten.

So klappt es auch mit Sommermärchen 2018! Cheers!

Weitere Inspiration gibt es hier: www.neuetrinkkultur.de

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Nicole Klauß, Autorin von “Die neue Trinkkultur”, Foto: Volker Wenzlawski

 

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Keleya

Für die redaktionelle Arbeit von Keleya ist Sarah Müggenburg federführend verantwortlich. Sie ist Mutter von zwei Kindern und vereint nicht nur das Wissen einer Mutter zweier Söhne, sondern auch die Erfahrung aus über zehn Jahren Pre- und Postnatalyoga mit. Neben der Arbeit für Keleya ist sie natürlich gerne sportlich aktiv und in der Natur unterwegs.

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