Was tun bei Symphysenbeschwerden in der Schwangerschaft?

Ich war gerade im vierten  Monat schwanger und spielte mit meinem damals 3,5 jährigen Sohn fangen. Da ich mich fit fühlte, machte ich mir keine Gedanken und wollte gerade hinter ihm herjagen, als ich ausrutschte und sich ein brennender Schmerz durch mein Becken zog. Mein Sohn fand meine gerade eingenommene Position sehr lustig, denn ich kam da nicht mehr wieder raus. Der Schmerz war so präsent, dass mein Mann mir aufhelfen und mich bei jedem Schritt stützen musste. Es war klar, dass wir sofort zum Frauenarzt fahren mussten. Die Diagnose: Symphysenanriss.

Was ist eigentlich die Symphyse?

Das Becken besteht aus verschiedenen Knochen, die zusammengesetzt das Becken und die Hüftgelenkspfanne bilden. Ein Teil davon sind die Schambeinäste. Davon gibt es einen rechten und einen linken, die in der Mitte über einen Knorpel (Symphyse) gelenkig verbunden sind. Die Symphyse liegt vorne im Körper und ist gut unter dem Venushügel zu ertasten. Die Symphyse ist elementar für die Geburt, denn durch die Östrogene im Körper wird das Knorpelgewebe weich dies gilt für sämtliches Knorpelgewebe im Körper). Mit dem Nachgeben des Knorpels wird während der Schwangerschaft Platz für das wachsende Baby geschaffen. Dieser Raum wird maximal ausgedehnt während der Geburt. Ein Aufweichen dieser Verbindung ist also durchaus erwünscht.

Was ist eine Symphysenlockerung?

Eine Symphysenlockerung wird im Fachsprech Peri Partum – Pelvic Pain genannt. Diese Art von Beschwerden gehen immer mit einer Veränderung der Gelenkstellung der ISG-Gelenke und einer zunehmenden Belastung der Lendenwirbelsäule einher. Das kann so weit gehen, dass Stehen auf einem Bein sehr schmerzhaft oder kaum möglich ist. Auch der sogenannte Watschelgang ist eine Folge einer Symphysenlockerung. Ein weiteres Merkmal kann sein, dass Schmerzen aus dem Rücken in den seitlichen Oberschenkel ausstrahlen. Schlafen auf der Seite ohne Kissen zwischen den Beinen ist dann kaum möglich und Aufstehen aus dem Bett wird zu einer schmerzhaften Herausforderung und daher dringend empfohlen.

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Wie kommt es zu einer Symphysenlockerung?

Die Hormone spielen dabei eine große Rolle und verschiedene Belastungsparameter können eine Ursache für eine Symphysenlockerung sein. Auf jeden Fall ist sie ein Zeichen von Überlastung und die werdende Mutter tut gut daran, einen Gang runterzuschalten, um die Symptome nicht zu verstärken. Denn mit dem Eintritt des Babys ins Becken wird auch die Belastung auf den Beckenring erhöht. Was zu zusätzlichen Schmerzen führen kann.

Ein weiterer Punkt könnte sein, dass bei vorangegangenen Schwangerschaften unentdeckte strukturelle Verletzungen oder eine nicht ausreichende Rückbildung den Beckengürtel anfälliger für Verletzungen gemacht haben.

Wie kann ich erkennen, dass ich eine Symphysenlockerung habe?

In der Literatur ist die Häufigkeit einer Symphysenlockerung zwischen 0,2 und 4 % angegeben. Aufgrund der Seltenheit wird diese nicht immer als solche erkannt und ausstrahlende undefinierbare Schmerzen werden oft als Rückenschmerzen diagnostiziert.

Die Fachleute für diese Problematik sind Gynäkologen, Orthopäden, dein Hausarzt oder die Hebamme. Durch Abtasten der oberen Schambeinkante kann festgestellt werden, ob es zu einer Stufenbildung gekommen ist. Hinzu kommt, dass Berührung schmerzhaft sein kann.

Sobald das Becken mit einem festen Gurt stabilisiert wird (hierzu eignet sich nicht jeder Gurt, siehe unten), bessern sich die Schmerzen.

Was kann ich tun, wenn ich Symphysenschmerzen habe?

Wenn es sich um eine Lockerung handelt, dann sind Schonung, das Vermeiden von einseitiger Belastung und Bettruhe angesagt. Ein fester Beckengurt, den du dir von deinem Arzt verschreiben lassen kannst, ist ebenfalls hilfreich und das Mittel der Wahl, wenn du mehr als vier Wochen bis zum Geburtstermin hast. Hierbei ist es wichtig, dass der Gurt NICHT elastisch ist, sondern eine gewisse Festigkeit mit sich bringt und leicht zu regulieren ist. Eine weitere Entlastung bekommst du, wenn du zwei Paar zusammengeknüllte Socken als Druckpelotten jeweils rechts und links auf die Trochanterpunkte (Vorsprünge am Oberschenkelknochen) unter den Gurt legst. Die Trochanterpunkte kannst du spüren, wenn du deine Hände außen am Beckenkamm platzierst, dass die Finger kniewärts schauen. Wenn du deinen Mittelfinger etwas in die Muskulatur schiebst, dann spürst du dort einen Knochenvorsprung. Die Abpolsterung sorgt dafür, dass der Gurt nicht scheuert und gibt dir zusätzliche Stabilität. Bis zum Eintreffen des Gurtes kannst du dir selbst mit einem Tragetuch, Baumwollschaal etc. behelfen. Am besten lässt du dir zusätzlich Osteopathie und Physiotherapie verordnen .

Bei einer Symphysenüberdehnung oder -ruptur ist allerdings strenge Bettruhe angesagt, Physiotherapie und/oder Osteopathie sowie ein fester Beckengurt sind dann Maßnahmen, die während der Heilungszeit von drei bis sechs Monaten kontinuierlich angewendet werden.

Du kannst selbständig für Entlastung sorgen, wenn du leichte Beckenbodenübungen machst und bewusst deine Bauchmuskeln aktivierst. Durch die muskuläre Unterstützung kannst du eigenständig dafür sorgen, dass die Belastung auf dem Becken etwas besser verteilt wird.

Übungen zur Stabilisierung des Beckens und der Symphyse

Ausgangsstellungen:

Für das Training der Bauchmuskulatur in der Schwangerschaft eignet sich u.a.  die Seitlage. Für eine optimale Ausrichtung des Beckens und um unangenehmen Zug auf die Symphyse zu vermeiden, benötigst du ein (Still-) kissen zwischen den Beinen. Der Vierfüßlerstand mit abgelegten Unterarmen und abgelegtem Kopf auf den Fäusten ist ebenfalls zu empfehlen. Sollte diese Position In der Schwangerschaft als zu anstrengend empfunden werden, besteht auch die Möglichkeit den Vierfüßlerstand auf einem Pezziball, auszuführen. Hierbei werden die Unterarme in schulterbreiter Position auf dem Ball abgelegt, während die Knie hüftbreit platziert sind. Der Fußrücken liegt dabei flach auf der Matte.

Für das Aktivieren der Beckenbodenmuskulatur sind Vorstellungshilfen wie das Picken eines Reiskorns mit den Schamlippen, das Festhalten eines Zäpfchens in der Scheide oder im After sind sehr hilfreich, um die Muskeln schonend zu aktivieren. Eine weitere Hilfe ist es, sich den Beckenboden wie das Dach eines Mini-Zirkuszeltes vorzustellen, dass du ganz sanft in dich hineinziehst. Probiere diese Wahrnehmungsübungen auch im Sitzen, im Vierfüßlerstand mit abgelegten Unterarmen oder in der Seitlage aus.

  • Wichtig für das Aufbauen der Beckenbodenspannung sind folgende Punkte:
  • Stelle dir bei der Einatmung vor, dass du rundherum zu deinem Baby atmest.
  • Wenn du bereits dein Baby geboren hast,   atme in die Seiten, den Rücken und in den Bauch hinein.
  • Baue deine Basisspannung immer mit der Ausatmung auf. Verschnüre dabei sanft den After, die Scheide und die Harnröhre. Hebe deine innersten Muskeln sanft in den Bauchraum hinein.
  • Leere vor dem Training deine Blase und deinen Darm.
  • Sorge dafür, dass du deinem Beckenboden nach dem Anspannen immer wieder ausreichend Zeit zum Entspannen gibst.

Kräftigung der Rumpfmuskulatur in Seitlage

Lege dich dafür auf eine Seite. Strecke den unteren Arm aus und platziere deinen Kopf darauf. Winkel die Beine an, dein Stillkissen ist zwischen Knien und Oberschenkeln und halte beide Beine übereinander. Platziere deine obere Hand (zur Faust) auf Brusthöhe. Stelle sicher, dass Ober- und Unterarm im rechten Winkel zueinander stehen. Dein Daumen schaut zu dir. Atme rundherum zu deinem Baby ein und weite deinen Brustkorb in alle Richtungen. Atme aus, baue eine Basis auf und bringe die gesamte Luft aus den Lungenflügeln heraus – drücke gleichzeitig mit der aufgestellten Faust in den Boden. Stelle dir vor, du umarmst dein Baby mit deinen Bauchmuskeln. Halte die Spannung für 3-8 Sekunden. Atme erneut ein, dabei wird deine Grundspannung etwas weniger. Atme aus, vertiefe deine Spannung weiter und wiederhole 3- 10 mal. Danach 1 min. Pause. Wechsle zur anderen Seite.

ACHTUNG: Behalte dein Taillendreieck bei. Atme fließend. Atme sanft auf chchchch“ und leere die  Lungen.

Seitlage

Brückenaktivität der Bauchmuskulatur

Komme in den Unterarmstand. Platziere deine Knie unter dem Becken und die Ellenbogen unter den Schultern. Bringe deine Hände als Faust zur Mitte, staple sie übereinander und lege anfangs deine Stirn darauf. Dein Blick ist zur Matte gerichtet, sodass deine Halswirbelsäule lang ist. Deine Wirbelsäule bleibt in ihrer natürlichen Schwingung. Deine Fußrücken liegen auf der Matte. Atme rundherum zu deinem Kind und weite deinen Brustkorb. Atme aus, baue deine Grundspannung auf und drücke deine rechten Ellenbogen und dein linkes Knie in den Boden – schiebe beide imaginär in Richtung Bauchnabel. Halte die Spannung für 3- 5 Sekunden aufrecht. Löse die Spannung und wechsle die Diagonale. Wiederhole das auf jeder seite 3 -5 mal.

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ACHTUNG: Atme fließend stütze deine Wirbelsäule und lass diese bitte nicht durchhängen. 

Wenn möglich, dann nimm danach 10 tiefe und entspannende Atemzüge in der Stellung des Kindes ein.

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Keleya

Für die redaktionelle Arbeit von Keleya ist Sarah Müggenburg federführend verantwortlich. Sie ist Mutter von zwei Kindern und vereint nicht nur das Wissen einer Mutter zweier Söhne, sondern auch die Erfahrung aus über zehn Jahren Pre- und Postnatalyoga mit. Neben der Arbeit für Keleya ist sie natürlich gerne sportlich aktiv und in der Natur unterwegs.

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