Toxoplasmose und Listerien in der Schwangerschaft – Wie du dich davor schützen kannst

Dr. med. Judith Bildau 08.11.19
Toxoplasmose und Listeriose in der Schwangerschaft

Die Schwangerschaft ist eine aufregende Reise: Ein kleiner Mensch wächst in dir heran und wird schon in ein paar Monaten das Licht der Welt erblicken. Natürlich möchtest du während dieser Zeit, in denen das Baby in deinem Bauch ist, nichts falsch machen. Deshalb machst du dir sicher immer wieder mal Gedanken, ob du auch alles richtig machst und fragst dich, worauf du eigentlich alles achten musst. Das ist ganz normal und es geht den meisten Schwangeren so.

Ein Thema, mit dem du dich sicherlich beschäftigst, ist die Sorge vor Infektionskrankheiten, die der Schwangerschaft und dem Baby schaden könnten. Hier bekommst du  einen Überblick über zwei sehr wichtige Infektionskrankheiten: Toxoplasmose und Listeriose. Hier erfährst du, wie du dich am besten vor einer Ansteckung schützt oder wie du herausfindest, ob du bereits Antikörper hast. Denn dann brauchst du dir überhaupt keine Sorgen machen.

Toxoplasmose- was ist das eigentlich?

Am Anfang deiner Schwangerschaft wurde dir bei deinem Frauenarzt/ deiner Frauenärztin jede Menge Blut abgenommen. Es wurden sehr viele verschiedene Untersuchungen damit gemacht. Vermutlich wurdest du auch gefragt, ob du deinen Schutz vor Toxoplasmose überprüfen lassen möchtest. Toxoplasmose – davon hast du sicherlich schon einmal gehört, aber so ganz genau weißt du eigentlich nicht, was das ist?

Toxoplasmose- ein Parasit

Toxoplasmose gondii ist ein parasitärer Erreger, dessen Hauptwirt die Katze ist. Infizierte Katzen haben meist überhaupt keine Krankheitsanzeichen, nur in seltenen Fällen Durchfälle. 

Wie kann ich mich mit Toxoplasmose anstecken?

Die infizierten Katzen scheiden schließlich große Mengen von Eiern des Erregers aus. Als Zwischenwirt dient der Mensch und andere Tiere, wie Schweine oder Schafe. Auch diese Zwischenwirte haben, wenn überhaupt, nur unspezifische Krankheitssymptome. Anstecken kannst du dich also über:

  • Die Reinigung einer Katzentoilette, wenn die Katze den Erreger in sich trägt und ausscheidet
  • Gartenarbeit, wenn eine infizierte Katze in den Garten gemacht hat
  • Den Verzehr von schlecht gewaschenem Salat, Obst oder Gemüse, dass mit Katzenkot, z.B. im Garten, in Kontakt gekommen sein kann
  • Durch den Verzehr von rohem Fleisch

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Ist es möglich, dass ich schon einmal mit Toxoplasmose in Kontakt gekommen und nun immun dagegen bin?

Ja, das ist sogar sehr gut möglich! Etwa 40% aller Menschen tragen bereits Antikörper gegen Toxoplasmose in sich und sind deshalb immun gegen eine erneute Ansteckung. Du kannst dies zu Beginn deiner Schwangerschaft testen lassen. Diese Blutuntersuchung wird nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Ist dein Antikörpernachweis positiv, bist du geschützt. Ist er negativ, kannst du dich mit dem Erreger infizieren. Der Test sollte deshalb noch zweimal in deiner Schwangerschaft wiederholt werden, um sicherzugehen, dass es in der Zwischenzeit zu keiner Ansteckung gekommen ist.

Wie merke ich, dass ich an Toxoplasmose erkrankt bin?

Im Zweifel gar nicht. Häufig verläuft eine Infektion völlig symptomlos, manchmal kommt es auch zu unspezifischen Krankheitszeichen, wie leichtem Fieber, Lymphknotenschwellungen und allgemeiner Abgeschlagenheit. Es gibt aber kein spezifisches Anzeichen dafür, dass du dich mit Toxoplasmose infiziert hast.

Wie wird eine Toxoplasmose sicher diagnostiziert?

Durch eine Blutuntersuchung kann bei dir eine Infektion mit Toxoplasmose gondii festgestellt werden. Hast du dich tatsächlich damit angesteckt, muss anschließend geschaut werden, ob eine Übertragung auf dein Baby stattgefunden hat. Dies geschieht in der Regel durch eine Fruchtwasseruntersuchung. Wird ebenfalls eine kindliche Infektion nachgewiesen, schaut dein Arzt/ deine Ärztin mittels Ultraschall, ob es bei dem Baby bereits zu körperlichen Veränderungen gekommen ist.

Warum ist eine Toxoplasmose so gefährlich für mein ungeborenes Kind?

Neben der Gefahr einer Früh- oder Fehlgeburt kann die Toxoplasmose auch schwere Schäden am Ungeborenen verursachen, so z.B. einer Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie), einem Wasserkopf (Hydrozephalus), Verkalkungen innerhalb des Kopfes (intrakranielle Verkalkungen) und Schäden an den Augen (Chorionretinitis). Übrigens: Das Risiko, dass eine Infektion über die Plazenta (also: transplazentar) auf das Baby übertragen wird, steigt in den höheren Schwangerschaftswochen. Aber: Gleichzeitig sinkt auch das Risiko für schwere Veränderungen und Schäden des Kindes.

Wie wird eine Toxoplasmose in der Schwangerschaft behandelt?

Eine Infektion wird mit einer antibiotischen Therapie behandelt.

Und wie kann ich mich vor Toxoplasmose schützen?

Folgende Präventionsmaßnahmen solltest du, wenn du keine Immunität besitzt, einhalten:

  • Kein Reinigen einer Katzentoilette
  • Keine rohen oder unzureichend erhitzte Fleischprodukte essen
  • Salat, Gemüse und Obst vor dem Verzehr gründlich waschen
  • Vor dem Essen immer Hände waschen
  • Händewaschen nach dem Zubereiten von rohem Fleisch und nach dem Besuch von Spielplätzen 
  • Bei Garten- und Erdarbeiten am besten Handschuhe tragen 

Listerien- was ist das?

Listerien sind Bakterien, die für gesunde Menschen in der Regel harmlos sind. Sie können überall vorkommen, auf Pflanzen, aber auch im Darm von Mensch und Tier. 

Listerien in der schwangerschaft
Welche Milchprodukte gefährlich in der schwangerschaft? Foto: Silviajansen

Wie erfolgt eine Ansteckung mit Listeriose?

Durch einen Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln kann es zu einer Infektion kommen. Folgende Lebensmittel haben ein erhöhtes Risiko, Listerien zu enthalten:

  • Rohe Fleischwaren, wie z.B. Hackfleisch oder Tatar
  • Nicht durchgegartes Fleisch
  • Roher oder geräucherter Fisch, wie z.B. Lachs oder Sushi
  • Rohmilchkäse, wie z.B. Feta und Ziegenkäse
  • Weichkäsesorten aus Rohmilch, wie Camembert oder Brie
  • Schimmelkäse wie z.B. Gorgonzola
  • Unpasteurisierte Milch und daraus hergestellte Produkte
  • Abgepackte oder schlecht gewaschene Salate

Ist es möglich, dass ich bereits eine Immunität gegen Listerien habe?

Ja, auch das ist möglich. Bist du bereits vor der Schwangerschaft in den Kontakt mit Listerien gekommen, hast du Antikörper gebildet. Du bist also immun und es kann zu keiner erneuten Infektion kommen. Durch eine Blutuntersuchung, die du am Beginn deiner Schwangerschaft durchführen lassen kannst, können eventuell vorhandene Antikörper nachgewiesen werden. Auch diese Untersuchung wird in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, sondern muss selbst gezahlt werden. Hast du keinen Schutz, solltest du Vorsorgemaßnahmen (s.u.) treffen. 

Welche Symptome macht eine Listeriose?

Auch hier ist es so, dass eine Infektion unspezifische, meist grippeähnliche Symptome, verursacht: 

  • Fieber, Schüttelfrost
  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen (können Hinweise auf eine Listeriose, aber natürlich auch auf viele andere Erkrankungen sein)

Wie wird eine Listeriose diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch den Erregernachweis in mütterlichem Blut, Urin und Stuhl, sowie in Fruchtwasser oder Plazentagewebe.

Welche Folgen kann eine Listeriose in der Schwangerschaft haben?

Erfolgt eine transplazentare Infektion des Babys, so kann es zu einer Fehlgeburt, Totgeburt und Frühgeburt kommen. Je früher eine kindliche Infektion in der Gebärmutter stattfindet, desto schlechter ist die Prognose. Infiziert sich das Kind unter der Geburt sind kindliche Atemprobleme, Blutvergiftungen, Hirnhautentzündungen und Hauterscheinungen möglich.

Wie wird eine Listeriose in der Schwangerschaft behandelt?

Eine Infektion mit Listerien wird mit einer antibiotischen Therapie behandelt.

Wie kann ich mich vor Listerien schützen?

Hast du keine Immunität gegen Listerien, solltest du folgende Vorsorgemaßnahmen treffen:

  • Gründliches Händewaschen mit warmen Wasser vor und nach der Zubereitung von Fleisch, Gemüse und Salat
  • Getrennte Küchenbretter für Fleisch, Gemüse und Salate
  • Gründliches Reinigen von Messern und Küchengeräten
  • Speisen sorgfältig erhitzen
  • Auf bestimmte Lebensmittel (s.o.) verzichten
  • Im Kühlschrank rohe von verzehrfertigen Lebensmitteln getrennt lagern

Aber bitte keine Panik!

Hast du keinen Schutz vor Toxoplamose und/ oder Listeriose, brauchst du deshalb nicht in  Panik geraten! Mit den oben genannten Vorsichtsmaßnahmen kannst du dein Baby und dich gut vor einer Infektion schützen. Zudem ist eine Infektion sowohl mit Toxoplasmose, als auch mit Listeriose in der Schwangerschaft selten. Hast du diesbezüglich Sorgen oder Ängste, sprich am Besten mit deinem Arzt/ deiner Ärztin oder deiner Hebamme darüber. Und ansonsten: Bitte genieße einfach diese wunderbare Reise durch deine Schwangerschaft!

Autoreninfo:

Dr. med. Judith Bildau ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und lebt mit ihrer Familie in Italien. Sie arbeitet als Frauenärztin sowohl in Rom als auch in der Toskana und betreibt als beratende Ärztin mit drei Freundinnen das Onlinemagazin Mutterkutter. 

 

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