Wie du Beziehung & Kind meistern kannst

Miriam Dialo 16.03.21
Mutter, Vater & Kind

Mit dem positiven Schwangerschaftstest – oft sogar bereits früher – startet ein neuer Abschnitt für alle werdenden Eltern. Von einem Tag auf den anderen kann der Fokus ein neuer sein. Wir beginnen, alles für den Familienzuwachs vorzubereiten, die kommende Zeit zu planen und haben oftmals viele offene Fragen. Was brauchen wir für unser Baby? Wie bereiten wir uns auf die Geburt vor? Wie lange wird die Elternzeit gehen? Sicherlich fallen dir jetzt noch viele weitere Fragen ein. Nach wie vor steht jedoch eine Frage bei vielen nicht auf der Liste: Wie können wir auch als Eltern ein glückliches Paar bleiben und eine erfüllte Beziehung führen?

Studien zeigen, dass über 70% der Elternpaare in den ersten Jahren nach der Geburt unglücklicher sind als davor*. Viele Scheidungen von Paaren finden sogar noch im ersten Lebensjahr des ersten Babys statt**. Jetzt fragst du dich sicherlich, wie das zustande kommt und warum darüber kaum gesprochen wird. Erfahrungen haben gezeigt, dass der Grund in unserer Gesellschaft verankert ist. Viele Elternpaare glauben, mit ihren Herausforderungen die einzigen zu sein. Andere wiederum denken, dass es normal ist, die Partnerschaft über einen langen Zeitraum hinten anzustellen. 

Wir sehen die scheinbar perfekte Welt über die sozialen Medien und nur wenige sprechen über Aspekte, die nicht gut laufen. Auch im engsten Umfeld ist es oftmals normal, sich als Mutter bzw. Eltern ausschließlich stark zu zeigen. Wir möchten vermitteln, dass alles gut läuft und es allein schaffen. Vielleicht ist dir bereits aufgefallen, dass ein Kind auch in Filmen oft als der Höhepunkt der Partnerschaft dargestellt wird. Das „Happy-End“ vieler Filme sind Hochzeit und Kind*er. Dass diese Schritte zwar wunderschön, aber auch mit Arbeit verbunden sind, zeigt so gut wie kein Film.

Warum sind viele Paare als Eltern unglücklicher?

Eine Partnerschaft ist Arbeit. Wenn wir es genau nehmen, tägliche Arbeit. Das bedeutet nicht, dass wir jeden Tag eine Stunde Coaching brauchen. Das bedeutet viel mehr, dass wir uns täglich um uns als Paar kümmern dürfen. Für uns zu sorgen kann an manchen Tagen „nur“ eine bewusste und innige Umarmung oder ein liebevolles Kompliment sein. An anderen Tagen finden wir vielleicht etwas mehr Zeit und führen ein umfangreiches Gespräch oder machen einen gemeinsamen Ausflug zu zweit.

Partnerschaften werden im Laufe ihrer Lebensdauer mit unterschiedlichen „Risikofaktoren“ konfrontiert. Risikofaktoren sind Aspekte, die unsere Beziehung ins Wanken bringen können. Sehr gut vorstellen kann man sich dieses Phänomen anhand des sogenannten Mobile-Effekts: Wenn wir ein Teil eines Mobiles verschieben, entfernen oder ein neues Teil hinzufügen, verändert sich direkt die komplette Struktur und das Gleichgewicht des Mobiles. So kann sich unsere Struktur als Paar und Familie verschieben, wenn wir gemeinsam ein Haus bauen, in eine andere Stadt ziehen, von einer Krankheit eingeholt werden oder auch ein Kind zu uns kommt. Veränderungen im Leben können wir besser meistern, wenn wir sie bewusst begleiten. Das passiert als (werdende) Eltern leider oftmals noch zu wenig.

Nach der Geburt (des ersten Kindes) verschiebt sich der Schwerpunkt sehr stark: Plötzlich liegt der Fokus auf dem kleinen, noch so hilflosen Wesen. Dass wir uns in den ersten Wochen zunächst einfinden müssen, ist völlig normal. Doch wir können uns vor und nach der Geburt als Paar stärken und begleiten. Und hier weiter dranbleiben. Das ist leider nach wie vor nicht üblich – weil wir es oft einfach nicht besser wissen können.

Wie können wir Unzufriedenheiten in der Beziehung vermeiden?

Den ersten Schritt bist du bereits gegangen, in dem du diesen Artikel liest. Das Bewusstsein über diese Herausforderung ist bereits der erste wichtige Schritt. Nun kannst du mit deinem Partner*in darüber sprechen. Macht euch bewusst, dass eine Elternschaft eine wunderschöne, aber auch neue und herausfordernde Zeit ist. Konkret hilft vielen Paaren zudem, sich gemeinsam auf die Zeit als Eltern vorzubereiten. Bereits in der Schwangerschaft Verantwortlichkeiten aufzuteilen und beide Partner*innen einzubinden sorgt für Gemeinsamkeit und Nähe. Beide Elternteile sind wichtig. Ein Geburtsvorbereitungskurs für werdende Papas kann dabei ein tieferes Verständnis schaffen und zusätzlich Sicherheit geben. Du kannst ganz konkret mit deiner*m Partner*in besprechen, wie sie*er dich während der Geburt unterstützen kann.

Plant zudem das Wochenbett und die Elternzeit gemeinsam. Wenn beide Elternteile eine Elternzeit nehmen, kann z.B. das gegenseitige Verständnis unheimlich gestärkt werden. Neben der unvergesslichen und wertvollen Zeit mit Kind und Familie selbstverständlich. Des Weiteren hilft sehr, eure Kommunikation zu stärken. Wie geht ihr in Stresssituationen miteinander um? Wie schafft ihr es, diese zu meistern? Wie könnt ihr eure Kommunikation noch verbessern? Auch Wünsche und die Vorstellung der Rollenverteilung als Eltern konkret zu besprechen hilft vielen sehr. In einem betreuten Rahmen könnt ihr diesen Aspekt und weitere wichtige Themen auch im 6-wöchigen Coachingprogramm für werdende Eltern erarbeiten.

Nehmt euch die Zeit und nutzt eure Zweisamkeit und stärkt euch gemeinsam. Schafft die Basis für eure kleine Familie.

Schaut für konkrete Tipps gern direkt in diese Checkliste!

Was können Eltern im Alltag bedenken?

Im Alltag als Eltern dürft ihr euch im ersten Schritt bewusst machen, dass eure Partnerschaft eine ebenso hohe Priorität wie eure Familie oder auch eure Arbeit haben darf. Das muss nicht in Zeit aufgewogen werden, sondern geht vielmehr um das Mindset. Du und dein*e Partner*in, ihr seid wichtig und ihr dürft für euch sorgen. 

Konkret schafft ihr das täglich mit kleinen Momenten, wie einer bewussten Begrüßung oder auch ausdrücklichen Minuten nur für euch. Sich 10-15 Minuten am Abend für ein bewusstes Gespräch zu nehmen, wirkt ebenfalls positiv. Hier kann sehr helfen, z.B. nur ein Highlight des Tages zu teilen und die Babythemen bewusst etwas in den Hintergrund rücken zu lassen. Stellt euch neue Fragen – bringt Abwechslung in den Alltag. Besonders wichtig ist laut vieler Elternpaare eine gemeinsame Absprache alle 7-14 Tage. Hier könnt ihr eine oder sogar zwei Stunden nehmen, um über eure aktuelle Situation zu sprechen, eure Woche zu planen und auch momentane Herausforderungen zu reflektieren. Einen konkreten Guide für ein wöchentliches Gespräch als Paar findet ihr hier.

„Dates“, wie ich sie gern nenne, sind ebenfalls wichtig. Dates sind Verabredungen, die vor allem ein Ziel verfolgen: Gemeinsam Spaß zu haben. Diese dürfen spätestens sechs Monate nach der Geburt eures Kindes wieder stattfinden. Wie häufig solltet ihr ein Date planen? Die Daumenregel ist 1-4 Mal im Monat, abhängig von eurer Situation. Geht gemeinsam aus, nehmt euch wieder Zeit für gemeinsame Hobbies. Auch ein Spaziergang nur zu zweit oder ein schönes Abendessen zu Hause bei Kerzenlicht kann eine Alternative (besonders zu Lockdownzeiten) sein. 

Und was, wenn nichts mehr geht?

Wann sollten Paare sich Unterstützung nehmen?

Leider nehmen sich viele Menschen erst dann Hilfe, wenn die Probleme bereits sehr groß geworden sind. Wir dürfen uns jedoch gern bereits früher stärken. Wir schauen uns doch zum Kochen ebenfalls öfter Rezepte an oder buchen eine Trainingsstunde für unsere Sporteinheit. Also warum nicht auch regelmäßig etwas für die Partnerschaft tun? Eine neue Übung ausprobieren oder auch eine Coachingsession buchen, um sich zu stärken?

Beziehungsverläufe und Situationen können ebenso individuell sein, wie ihr persönlich. Doch es gibt eine grundsätzliche Hilfestellung, um den Bedarf nach externer Unterstützung zu erkennen: Wenn ihr das Gefühl habt, euch immer wieder in der gleichen Sackgasse zu befinden, dürft ihr aufhorchen. Es darf grundsätzlich immer weiter gehen. Schritt für Schritt. Wenn ihr jedoch zu lange auf der gleichen Stelle tretet und es euch zudem nicht mehr gut geht, sorgt für euch und holt euch Unterstützung. Wartet nicht zu lange ab.

Auf geht´s – eine wunderbare und spannende Reise liegt vor euch

Eltern zu werden ist wunderbar, liebevoll und voller Überraschungen. Das Leben bringt immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen mit sich. In der Elternschaft kommt vieles auf euch zu, was ihr ganz für euch begleiten und entscheiden könnt. Was ihr dabei jederzeit und ganz sicher bleiben dürft: Ein Team – und ein Liebespaar.

Lockdown und Liebe

In der aktuellen Zeit liegen die Partnerschaft und unsere Familie besonders sichtbar auf dem Präsentierteller. Wir sehen und spüren unmittelbar das Verhalten unseres*r Partner*in. Auch teilen wir selbst unsere Gefühle, Frust und Ängste mit dem oder der Liebsten. Ob direkt und bewusst, oder auch unbewusst. Dass diese Situation eine Herausforderung sein kann, liegt daher fast auf der Hand. Spontan hilft Paaren, sich bewusst zu machen, dass Ängste, Unsicherheiten, Frust und viele weitere Gefühle normal sind und zu jeder Beziehung dazu gehören. Ihr müsst daher weder mit euch selbst, noch mit eurem*r Partner*in zu streng sein. Auch hilft sehr, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und in der Partnerschaft darüber zu sprechen. Nehmt euch z.B. Freiräume, teilt Verantwortlichkeiten auf, plant eure Zeiten für die jeweiligen Wochen bei Bedarf gemeinsam ein. Ganz wichtig: Verbringt auch bewusste Paarzeit in Form von kleinen Homedates mit neuen Aktivitäten, geht gemeinsame Projekte an oder macht euch gegenseitig kleine Überraschungen.

Ganz gleich, ob ihr aktuell mehr Zeit gewonnen habt oder weniger und dafür bewusste Zeit als Paar verbringen könnt: Was schätzt du aktuell besonders an deinem*r Partner*in? Was tut dir persönlich aktuell besonders gut? Was haben die letzten Monate Positives für eure Partnerschaft gebracht? Was möchtet ihr im Jahr 2022 gemeinsam erleben? – Plant doch einen kleinen Frage-Abend für die kommende Woche. 

Weitere wertvolle Tipps von Miriam Dialo & zweifach Mama Sarah Müggenburg erfährst du in unserer Podcastfolge Paarsein vs Elternsein – Beziehung trotz Kind.

Auf schöne Momente zu zweit!

Zur Autorin

Miriam Dialo ist Paarberaterin und Coach. Sie bietet Paartherapie an und unterstützt auch konkret werdende Eltern dabei, ihre Beziehung zu festigen, die grundlegenden Herausforderungen zu meistern. 

Quellen:

*Margolis, R., Myrskylä, M. Parental Well-being Surrounding First Birth as a Determinant of Further Parity Progression. Demography 52, 1147–1166 (2015).

**Statista: Scheidungen in Deutschland 2008-2018



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