Schwanger mit Zwillingen – was für eine Überraschung! Viele werdende Eltern sind erst einmal ganz schön überwältigt, wenn sie erfahren, dass sie doppelten Nachwuchs erwarten.
Wie häufig sind Zwillingsschwangerschaften?
Zwillingsanlagen kommen bei etwa 2,5 % aller Schwangerschaften vor, wobei sich nicht selten nur eine der beiden Anlagen weiterentwickelt – deshalb endet nur etwa die Hälfte davon auch tatsächlich in einer Zwillingsgeburt. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Zwillingsschwangerschaften insgesamt gestiegen: von rund 8.500 Zwillingsgeburten 1970 auf 12.977 im Jahr 2014 und 14.097 im Jahr 2018 (Quelle: Statistisches Bundesamt). Ein wichtiger Grund dafür ist das gestiegene Alter werdender Mütter, da der weibliche Körper mit zunehmendem Alter häufiger zwei Eisprünge parallel auslöst. Auch die gestiegene Zahl an Kinderwunschbehandlungen spielt eine Rolle.
Was ist bei einer Zwillingsschwangerschaft anders?
- Viele Zwillingsschwangere leiden in den ersten drei Monaten unter verstärkter Übelkeit und Müdigkeit – das legt sich in der Regel nach dem ersten Trimester wieder.
- Der Bauch wächst schneller und wird größer, weshalb eine frühzeitige Stärkung von Rücken- und Beckenbodenmuskulatur besonders wichtig ist.
- Die Haut wird stärker beansprucht; Cremes und Öle spenden Feuchtigkeit und können Dehnungsstreifen vorbeugen.
- Zwillingsmamas nehmen am Ende der Schwangerschaft meist mehr Gewicht zu als bei einer Einlingsschwangerschaft – mit gesunder Ernährung, Bewegung und ggf. Stillen normalisiert sich das nach der Geburt wieder.
Worauf wird bei Zwillingsschwangerschaften besonders geachtet?
Bei eineiigen Zwillingen, die sich Fruchtblase und Mutterkuchen teilen, kann es zum Ende der Schwangerschaft zu einer Verknotung der Nabelschnüre kommen – deshalb wird die Schwangerschaft hier besonders engmaschig überwacht und die Entbindung häufig vor dem errechneten Termin angestrebt. In seltenen Fällen kann bei gemeinsamer Plazenta eine ungleiche Blutversorgung der Kinder auftreten, die per Laseroperation behandelt werden kann. Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft mit zwei getrennten Mutterkuchen (dichoriale Zwillinge) besteht in der Regel kein Grund zur Sorge, auch wenn die Entbindung meist nicht zu weit über den Termin hinausgezögert wird.
Eine Zwillingsschwangerschaft kann sich anfangs überwältigend anfühlen – das geht den meisten werdenden Zwillingseltern so. Am Ende hältst du zwei kleine Menschen in den Armen: oft doppelte Arbeit, aber vor allem doppeltes Glück.
Über die Autorin: Dr. med. Judith Bildau ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.




