Schwangerschaftsdepression – Was tun?

Es gibt Themen, die passen auf den ersten Blick nicht zusammen. So verbinden wenige Menschen eine Schwangerschaft mit einer Depression, schließlich wird das eine oft von unbändiger Freude, das andere von tiefer Traurigkeit begleitet. Doch fast 10 Prozent aller Schwangeren kennen sie: eine Schwangerschaftsdepression.

Unbändige Freude oder einfach nur Leere?

Während alle Menschen um sie herum ausflippen vor Freude und Glück über das kommende Baby, empfinden manche Frauen nicht so. Theoretisch freuen sie sich auf ihr Baby, viele haben dem sogar lange entgegengefiebert und sich bewusst für eine Schwangerschaft entschieden. Die Freude bei Familienmitgliedern und Freunden scheint auch grenzenlos. Nur leider steckt sich nicht an. Was traurig klingt, ist leider nicht so selten. Doch kaum jemand spricht darüber, denn es passt nicht zusammen. Genau deshalb fühlen sich betroffene Schwangere dabei auch noch schuldig.

Die typischen Stimmungsschwankungen, die mit dem Hormonwechsel einhergehen, kennen viele Frauen: Zwischen all der Vorfreude, Dankbarkeit und tiefen Liebe für das Ungeborene sind Angst und Trauer in stetigem Wechsel spürbar. Bei einer Schwangerschaftsdepression sieht das etwas anders aus. Viele verwechseln dennoch anfänglich Stimmungsschwankungen mit einer ernstzunehmenden Depression.

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Stimmungsschwankungen oder Schwangerschaftsdepression? Foto: Africa studio / shutterstock.com

Schwangerschaftsdepression: Was fällt auf?

Die Angst, darüber zu reden und das Unwissen des Umfelds über eine Schwangerschaftsdepression sorgen häufig dafür, dass sie bei vielen Frauen schleichend und unerkannt passiert. „Das sind nur die Hormone“, ist wohl der Satz, mit dem jedes Wehwehchen ab Bekanntgeben der Schwangerschaft abgetan wird – vom Umfeld oder einem selbst. Doch eine unerkannte und unbehandelte Depression kann schwere Folgen haben.

Woran erkennst du, ob du unter einer Schwangerschaftsdepression leidest?

  • Die anfänglichen Stimmungsschwankungen wechseln nicht zwischen Freude und Traurigkeit hin und her, sondern Traurigkeit und auch Angst dominieren deine Gefühlswelt.
  • Du hast trotz der Schwangerschaft wenig bis keinen Appetit.
  • Dunkle Gedanken und Grübeleien bestimmen deinen Tag und lenken dich immer wieder ab.
  • Du fühlst dich lustlos, kraftlos und antriebslos.
  • Du bist ständig müde, doch einen erholsamen Schlaf findest du nicht.
  • Du könntest ständig weinen und durchlebst gefühlsmäßig zahlreiche Ängste.

Da viele dieser Symptome nicht nach außen sofort sichtbar sind, reagiert das Umfeld oft sehr spät darauf. Wichtig ist, dass die werdende Mama sich eingesteht, dass diese Gefühle, Gedanken und Müdigkeit nicht allein Begleiterscheinungen der Schwangerschaft sind.

Tiefe Traurigkeit: Warum in der Schwangerschaft?

Wenn doch die Schwangerschaft eine wunderbare Erfahrung und der Beginn eines neuen Abschnitts ist, warum macht sie einige Frauen depressiv? Die naheliegende Antwort, mit dem wohl alles in der Schwangerschaft begründet werden möchte, gilt nicht. Denn es sind nicht nur die Hormone, die dafür verantwortlich sind, zumindest nicht pauschal.

Dennoch sind einige Frauen feinfühliger für das, was der Körper und die Hormonumstellung mit ihnen anstellen. Doch auch äußere Faktoren müssen im Blick behalten werden. Hast du generelle Ängste, zum Beispiel um die Zukunft oder deine finanzielle Situation? Gab es früher schon einmal depressive Episoden? Wie sind deine Lebensumstände? Viel Stress, viele Aufgaben und wenig Unterstützung, bzw. Überforderung können sich auf das Gemüt legen.

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Du solltest dich freuen, aber du bist einfach nur traurig? Ab wann brauchst du Hilfe? Foto: Antonio Guillem / shutterstock.com

Bei Frauen, die Schwierigkeiten hatten, schwanger zu werden oder sogar schon Fehlgeburten hatten, ist es ebenso möglich, dass sie aus Angst um das Baby und die voreilige Freude darüber depressiv werden. Auch ein schwieriger Schwangerschaftsverlauf kann in einer Schwangerschaftsdepression münden, da man kaum die Möglichkeit hatte, sich unbeschwert auf das, was kommt zu freuen. Gründe gibt es viele und sie alle sollten Beachtung finden.

Was kann man tun? Hilfe ist notwendig – schwangerschaftsdepression

Eine der häufigsten Ängste werdender Mütter, wenn sie realisieren, dass sie depressiv sein könnten: Kann ich eine gute Mutter sein? Um eines vorweg zu nehmen: Ja, kannst das du! Du solltest dir aber dringend helfen lassen und deine Situation nicht klein reden. Spreche mit deinem Arzt und deiner Hebamme über deine Beobachtungen und Gefühle. Schildere genau, wie es dir geht und was in dir gerade passiert. Untersuchungen können Aufschluss über die Ursachen geben, denn depressive Gefühle können auch durch eine Schilddrüsenunterfunktion ausgelöst werden. Wenn das nicht hilft, suche dir zusätzlich professionelle Hilfe bei einem Therapeuten oder einer Therapeutin, um gemeinsam eine Therapie zu besprechen. Denn nur, wenn du dir helfen lässt, kannst du dich gut auf die Geburt vorbereiten und gestärkt in die Elternschaft starten.

Auch mit deinem Umfeld darüber zu reden, ist wichtig. Enge Freunde, deine Familie und dein Partner sollten wissen, was in dir vorgeht, um dir zu helfen und dich besser zu verstehen. Schließlich tut nichts mehr weh, als unwissende Kommentare über deine Situation. Doch nicht nur ein offenes Ohr ist gefragt, sondern auch aktive Hilfe. Denn die Zeit vor der Geburt und erst Recht danach ist eine Herausforderung und du sollst dich ganz auf dich und dein Baby konzentrieren können. Je sorgloser das möglich ist, desto besser. Also bitte Freunde, dir im Haushalt oder beim Einkauf zu helfen. Keine falsche Scheu, denn viele wissen oft nicht, dass sie mit diesen Kleinigkeiten bereits helfen können.

Kleine Hilfen im Alltag

Wenn du merkst, dass sich dein Gefühlsleben verändert, schaue auch auf Details.

  1. Wie ist deine Ernährung?

Nur eine ausgewogene Ernährung stellt sicher, dass du und dein Baby mit allen nötigen Nährstoffen versorgt werden.

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Die richtige Ernährung kann der Stimmung neuen Schwung geben, Foto: Lightfield Studios / shutterstock.com

2. Wie ist dein Schlaf?

Auch ein gesunder Schlafrhythmus ist wichtig, dass dein Körper und Geist sich regenerieren können. Vielleicht reichen dir nicht wie sonst sechs Stunden, sondern eher sieben bis acht? Immerhin bist du nun durch das wachsende Baby mehr beansprucht.

3. Bleib in Bewegung!

Auch wenn es angesichts der körperlichen Abgeschlagenheit schwerfällt: Bewegung und frische Luft helfen. Ein Spaziergang mit der Freundin oder auch allein sorgen für viel Sauerstoff und eine Anregung des Kreislaufs. Das hebt die Stimmung und vertreibt trübe Gedanken. Vielleicht suchst du dir eine Sportart, die für Schwangere geeignet ist. So hast du nicht nur Austausch mit anderen, sondern auch etwas für dich getan. Denn Sport, vor Allem Yoga wirkt nachweislich angst- und depressionsreduzierend.

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Sport in der Schwangerschaft hebt die Stimmung, Foto: Sophia Lukasch

4. Frische Luft und Sonnenlicht

Stapeln sich zu Hause die Vorbereitungen fürs Baby immer höher, lenkt ein Spaziergang im Freien nicht nur davon ab – er hebt auch die Stimmung und regt den Kreislauf an. Denn entgegen dem häufigen Ratschlag, dass Aufgaben und Ablenkung gegen Depressionen helfen, werden sie durch Druck und Stress verstärkt. Du musst nicht die vollständige Babyliste abarbeiten. Mach das, was dir gut tut.

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Frische Luft und Sonnenlicht tun der Seele gut, Foto: AMR Image / iStock Photo

5. Suche dir Unterstützung!

Eine große Hilfe ist es, wenn Familie oder Freunde bei den Vorbereitungen oder anderen Aufgaben helfen können. Das entlastet und zeigt vor allem: Du bist nicht allein!

Dieser Artikel entstand im Austausch unserer Autorin Bianca Berlin mit der Psychotherapeutin Magdalena Braun aus Berlin.

 

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Bella Berlin

Unsere Autorin Bella Berlin ist studierte Journalistin, Mompreneur und Bloggerin auf familieberlin.de. Seit 3 Jahren schreibt sie dort über ihr Leben als Mutter, inzwischen zweier Töchter (3 und 1), über Vereinbarkeit, den Weg in die Selbstständigkeit und alles, was im Familienleben so passieren kann.

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